Fan Sina

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Unter dem Name „Fan Sina“ ( Kunst des Sinai) wurde mit der Unterstützung der EU im Jahr 1996 von der Nationalparkbehörde von St. Katharina im Südsinai ein Projekt zur Erhaltung des regionalen Kunsthandwerks ins Leben gerufen. Zu Beginn stand der Aspekt des Bewahrens und Ausstellens der handwerklichen Stücke im Vordergrund. Das Projekt ermunterte die Beduinenfrauen alte Muster zu sammeln und dadurch wieder Kontakt zu ihrem kulturellen Erbe herzustellen.

Mit dem traditionellen Zuckerbeutel, einem weißen Baumwollsack in etwa der Größe 30 x 30 cm, der mit bunten Mustern bestickt wurde und den Männern früher auf ihren Kamelreisen zur Aufbewahrung des Zuckers diente, hatten die Frauen ein traditionelles Produkt in Händen, das nach westlichen Geschmack umgestaltet werden konnte.

Entscheidend verantwortlich für die kreative Vielfalt, welche die Produkte des Projekts heute auszeichnet, ist die Beduinen Salima Gabaly, die zu Anfang als Sekratärin in der Nationalparkverwaltung arbeitete und sich zunehmend in dem Projekt engagierte. Als eine außergewöhnlich emanzipierte Beduinin hatte sie als erste Frau von St. Katharina eine höhere Schule abgeschlossen. Ihrem unerschöpflichen Ideenreichtum und ihrer Geschäftstüchtigkeit ist es zu verdanken, dass das Projekt einen schnellen Aufschwung nahm.

Drei Zielsetzungen wurden dabei von der Leitung des Projektes festgesetzt:

  1. Es sollten insbesondere benachteidigte Frauen berücksichtigt werden, die keine andern Chancen auf eine zusätzliche Arbeit hätten.
  2. Es sollten traditionelle sowie handwerkliche Fähigkeiten wiederbelebt und an die jungen Frauen weitergegeben werden.
  3. Unter der Berücksichtigung von Fair Trade Ansprüchen sollten Frauen ermutigt werden vermarktbare Produkte herzustellen

Ich selber wurde durch eine Freundin auf das Projekt aufmerksam gemacht und habe im Jahr 2002 noch die Anfänge mitbekommen. Jedes Mal, wenn ich Salima wieder besuchte hatte sie mit Hilfe der Frauen neue Ideen entwickelt: Über kleine Geschenksäckchen bis zu großen Handtaschen und Rucksäcken. Dabei lässt sich Salima gerne von den Taschen Ihrer Kundinnen inspirieren und erfährt auf diese Weise, welche Formen in Europa gerade gefragt sind.

Salima und ihre mittlerweile über 450 Mitarbeiterinnen in St. Katharina und den umliegenden Tälern verstehen es, die von der Natur inspirierten, traditionellen Stickereien in harmonischen Farbabstimmungen miteinander zu kombinieren. Das Resultat sind Einzelstücke, die das fast in Vergessenheit geratene Kunsthandwerk der Beduinenfrauen des Sinai wundervoll repräsentieren - ein unerschöpflicher Fundus an wahren Kunstwerken - alle entstanden aus einem schönen, bunten Zuckersack.