Frauen helfen Frauen
Soziales Projekt im Südsinai
Gründerin: Andrea Nuß
Wirtschaftliche Situation im Südsinai
Die Beduienfamilien im Südsinai sind seit der touristischen Erschließung der Halbinsel in den 70er Jahren zunehmend wirtschaftlich von diesem neuen Erwerbszweig abhängig geworden. Nach einem Boom in den 90er Jahren ist durch die politische Krisensituation im nahen Osten der Tourismus in Nuweiba und Taba fast vollständig zusammengebrochen. Verarmung und Perspektivlosigkeit sind die Folge. Zusätzlich machen die seit Jahren ausfallenden Winterregenfälle ein Leben in der Wüste nach traditionellem Muster unmöglich.
Das Projekt
Für das Projekt Frauen helfen Frauen, dass ich 2003 angefangen habe aufzubauen, arbeiten inzwischen rund 50 Frauen aus dem Stamm der Muzaina - Beduinen. Der Großteil der Frauen lebt in dem Küstenort Nuweiba. Auch eine besonders arme Familie, die inmitten der Wüste wohnt, nimmt daran Teil und bezahlt ihre Lebensmittel fast ausschließlich von der Schmuckproduktion. Da ich die Frauen seit mehr als 10 Jahren kenne und mich mit einigen langjährige Freundschaften verbinden, spüre ich eine besondere Verantwortung ihnen zu helfen ihre Lebensgrundlage zu sichern. Zudem bleibt das Geld in der Hand der Frauen und trägt damit zur Stärkung ihrer Position innerhalb der Familie bei.
Die Rocaille-Glasperlen kaufe ich persönlich bei Großhändlern in Kairo ein, die sie von der Firma Jablonex aus Tschechien beziehen. Jeder Familie teile ich ihre Arbeit und das Material eigenhändig zu. Wenn ich nach einiger Zeit in den Sinai zurückkehre, nehme ich die Schmuckstücke in Empfang, kontrolliere die Qualität und zahle den Frauen ihr Geld aus. Das Honorar der Frauen pro Schmuckstück liegt um das sechsfache höher als in Ägypten für solche Arbeiten üblich. Es liegt mir am Herzen auch zukünftig diese Preisgestaltung beizubehalten und damit den Gedanken eines gerechten Handels umzusetzen.
Traditioneller Hintergrund der Arbeit mit Perlen
Ursprünglich stellten die Frauen aus den winzigen Glasperlen Verziehrungen für die Sättel und das Zaumzeug der Kamele her. Eine solche Arbeit war sehr aufwendig und konnte ein besonderes Geschenk einer Braut an ihren Bräutigam sein. Zusätzlich werden die Perlen auch heute noch zur Verzierung der traditionellen Verschleierung der Frauen, der Tharha, verwendet. Grundlage der in dem Projekt hergestellten Schmuckstücke sind sowohl Entwürfe der Frauen als auch meine Eigenen.
Zu meiner eigenen Person
1996 bin ich das erste Mal in den Sinai gereist und habe meine Gastfamilie, die inmitten der Wüste lebt, kennengelernt. Seit dieser Zeit verbringe ich jedes Jahr mehrere Wochen dort. Als profesionelle Fotografin habe ich seit 2002 intensiv an meiner Diareportage Wüste - Im Reich der Beduinen gearbeitet, die einen intimen Einblick in das Leben der Beduinenfrauen vermittelt und den Zuschauer in die landschaftliche Schönheit der Wüste eintauchen läßt. Durch die langen Aufenthalte im Sinai hat sich allmählich der Gedanke den Frauen zu einer Erwerbsmöglichkeit zu verhelfen entwickelt und konnte Dank der positiven Resonanz der deutschen Kundinnen verwirklicht werden.
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